TEIL 1 | Galeria Karstadt Kaufhof - Passantenstudie.
Henning R. Haltinner
October 16, 2020
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Der letzte große deutsche Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof und auch Karstadt Sports schließen mehr als ein Drittel der Filialen. Neben den tausenden wegfallenden Arbeitsplätzen in den Städten befürchten Experten auch dramatische Folgen für die Innenstädte. Die Warenhäuser sorgen für einen konstanten Passantenstrom und die Magnetwirkung hat maßgeblichen Einfluss auf umliegende Geschäfte.

Stirbt der Handel - stirbt die Stadt ...

Neben dem Arbeitsplatzdrama interessiert uns die tatsächlichen Auswirkungen der Schließungen auf die Passantenzahlen und -strukturen. Der "Marktplatz der Zukunft", wie aus den Reihen des Unternehmens immer hieß, hat die Corona-Krise nicht ohne Schaden überlebt und womöglich hat dies größere Folgen als bisher angenommen. Für betroffene Kommunen bedeuten die Pläne zur Schließung in besten Innenstadtlagen einen erheblichen Rückschlag. Man traut es sich nicht laut auszusprechen: Schätzungen zufolge könnten durch die aktuelle Krise bis zu 50.000 Handelsstandorte in Deutschland verloren gehen.

Seit 2010 sind bereits 39.000 Einzelhandelsgeschäfte aus dem Stadtleben verschwunden und die aktuelle Situation könnte zum Wachstum dieses Handelssterben in ungeahnter Geschwindigkeit beitragen. Stirbt der Handel - stirbt die Stadt ...

WHAT A LOCATION! möchte die tatsächlichen Langzeitauswirkungen greifbar machen und wird über einen langen Zeitraum ab Quartal 1, 2019 Passantenströme und -strukturen auswerten: 

  • Passantenzahlen
  • Veränderungen in der Einzelhandelskaufkraft der Anwohner und Passanten
  • demographische Veränderungen in den Altersgruppen und in der Geschlechterverteilung
  • Einzugsgebiete innerhalb der Stadt, Landkreise und Tourismus (bundesweit und international)

Wir werden Auswertungen an folgenden Standorten vornehmen: 


  • Berlin Charlottenburg (Karstadt)
  • Berlin Gropius-Passage (Karstadt)
  • Berlin Hohenschönhausen (Kaufhof)
  • Berlin Müllerstraße (Karstadt)
  • Berlin Ringcenter (Kaufhof)
  • Berlin Tempelhof (Karstadt)
  • Bielefeld (Karstadt)
  • Bremen (Kaufhof)
  • Dortmund (Kaufhof)
  • Dortmund (Karstadt)
  • Düsseldorf Schadowstraße (Karstadt)
  • Düsseldorf Wehrhahn (Kaufhof)
  • Essen (Kaufhof)
  • Essen (Karstadt)
  • Frankfurt Hessen-Center (Kaufhof)
  • Frankfurt Zeil (Karstadt)
  • Hamburg AEZ (Kaufhof)
  • Hamburg Bergedorf (Karstadt)
  • Hamburg Mönckebergstraße (Kaufhof)
  • Hamburg Wandsbek (Karstadt)
  • Hannover Georgstraße (Karstadt)
  • Köln Weiden (Kaufhof)
  • Mönchengladbach Rheydt (Karstadt)
  • München Am Nordbad (Karstadt)
  • München OEZ (Karstadt)
  • München Stachus (Kaufhof)
  • Nürnberg (Karstadt)
  • Nürnberg Langwasser (Karstadt)
  • Potsdam (Karstadt)
  • Stuttgart Bad Cannstatt (Kaufhof)

Bedeutet die Schließung vieler Standorte wirklich ein so großes Drama für den umliegenen Einzelhandel und die Gastronomie?

Aus Sicht der Verbraucher werden viele Schließungen zu verkraften sein, denn aus unserer Recherche geht hervor, dass das Einkaufsangebot an vielen Standorten so gut ist, das der Einfluss sich wohl in Grenzen halten dürfte. Besonders in den Großstädten wie München oder Berlin können wir davon ausgehen. So wird zum Beispiel in der Hauptstadt der Karstadt in Charlottenburg geschlossen. Direkt gegenüber finden wir die Wilmersdorfer Arcaden, welche mit sehr vielen Geschäften wohl kaum auf die Anziehung eines Karstadt angewiesen sein dürfte. Selbst noch in der Wilmersdorfer Straße mit den vielen kleinen Nebenstraßen findet sich in Gastronomie und Co. nicht unbedingt der klassische Karstadt-Kunde wieder.

In der bayerischen Hauptstadt München liegt nur einen Katzensprung vom Kaufhof am Stachus entfernt die Karstadt-Filiale am Münchener Hauptbahnhof. Kaufhof und Karstadt befinden sich oft in der Nähe von Shopping Centern, was in Neubrandenburg, Neumünster und auch in Worms der Fall ist. Schwieriger wird es hier die Immobilien in prominenter Lage wieder zu vermieten.

Das Leo-Center im baden-württembergischen Leonberg wird durch die Schließung des im Center liegenden Karstadt wohl eher bedroht. Dieser zentrale Anlaufpunkt für Shopping und Co. ist der Hotspot der kleinen Stadt mit nur 48.000 Einwohnern. Der Wegfall des Hauptmieters sorgt für viel Angst in der Region.

Kleinere Städte haben es da schon deutlich schwieriger: Kaufhof ist in Chemnitz ein unverzichtbarer Bestandteil des Stadtlebens. Hier profitieren Gastronomie, Dienstleister und Händler von der Magnetwirkung des Kaufhof. Nahzu 30 Prozent der zur Verfügung stehende Fläche in der unmittelbaren Innenstadt nahm hier alleine Kaufhof ein. Es ist davon auszugehen, dass die Lage hier deutlich angespannter sein wird.

Finale Gedanken

Die Schließung der Galeria Karstadt Kaufhof-Filialen kann an vielen Orten pragmatisch betrachtet werden, da Passanten nicht nur wegen Kaufhof oder Karstadt in die Innenstädte kommen. Allerdings vervollständigen die Geschäfte das Angebot am Platz.

Wir sind gespannt, wie sich die Passantenzahlen in den kommenden Monaten verändern und welche befürchteten Auswirkungen tatsächlich zur Realität werden.

Gründer & Geschäftsführer

@ WHAT A LOCATION!

Henning Richard Haltinner

Gründer & Geschäftsführer

@ WHAT A LOCATION!